Die Patentlandschaft ist aktuell besonders spannend: Gleich mehrere neue Einträge geben Hinweise darauf, woran Canon, Nikon und Sigma arbeiten könnten. Auch wenn Patente nie eine Garantie für reale Produkte sind, zeigen sie oft sehr deutlich, in welche Richtung die Hersteller denken. Hier sind die interessantesten Entwicklungen im Überblick.
Canon: Mögliche RF-S-Festbrennweiten für APS-C
Im APS-C-System von Canon wünschen sich viele Nutzer seit Längerem mehr native Objektive. Neue Patentunterlagen deuten nun darauf hin, dass Canon an kompakten Festbrennweiten für das RF-S-Bajonett arbeitet. Insgesamt sind vier optische Designs aufgetaucht, die alle auf kleine Abmessungen und eine maximale Blende von f/2.8 ausgelegt sind:
10mm f/2.8, 12mm f/2.8, 18mm f/2.8 und 28mm f/2.8.
Besonders ins Auge fällt dabei das 10mm f/2.8: Als sehr handliches Ultraweitwinkel könnte es vor allem für Vlogging, Reisen und generell für leichtes Gepäck interessant sein. Eine f/2.8-Offenblende ist zwar kein Extremausreißer in Sachen Freistellung, für die anvisierte Zielgruppe solcher „Immer-dabei“-Objektive aber absolut praxisgerecht.
Zusätzlich macht Hoffnung, dass Canon für das Jahr 2026 bereits neue RF-S-Objektive in Aussicht gestellt hat. Welche der patentierten Varianten es am Ende tatsächlich in den Handel schaffen, bleibt natürlich offen.
Sigma: Extrem lichtstarke Weitwinkel mit f/1.2
Auch bei Sigma gibt es Bewegung: Ein neu entdecktes Patent beschreibt zwei sehr lichtstarke Weitwinkelkonstruktionen, ein 24mm f/1.2 und ein 28mm f/1.2. Solche Spezifikationen würden besonders Nutzer des Sony E-Mount aufhorchen lassen, denn f/1.2 im Weitwinkelbereich ist nach wie vor eine Ansage.
Die Entwürfe lassen auf eine aufwendige optische Konstruktion schließen, wie man sie typischerweise von hochwertigen Objektiven kennt, die Abbildungsfehler schon bei offener Blende konsequent reduzieren sollen. Ein 24mm f/1.2 würde in direkter Konkurrenz zu etablierten Premium-Weitwinkeln stehen – mit dem Vorteil einer zusätzlichen Lichtreserve. Ein 28mm f/1.2 wäre zusätzlich deshalb spannend, weil 28 mm in Street- und Reportagefotografie wieder deutlich beliebter geworden sind und eine derart lichtstarke Variante im nativen Systemangebot bislang eher selten ist.
Natürlich gilt auch hier: Nicht jedes Patent wird automatisch zu einem fertigen Produkt. Sigmas bisherige Historie mit lichtstarken Objektiven macht die Idee aber zumindest realistisch.
Nikon: Patent für aktive Kühlung in Videokameras
Ein weiteres Patent kommt von Nikon und zielt offenbar auf ein aktives Kühlsystem mit Lüfter für spiegellose Kameras ab. Der Ansatz: Abwärme, die durch Prozessoren und anspruchsvolle Verarbeitung entsteht, soll gezielt aus dem Gehäuse abgeführt werden – mit Ableitung in den vorderen oberen Bereich der Kamera.
Solche Lösungen sind besonders relevant für Kameras mit hohen Videoanforderungen, etwa bei langen Aufnahmezeiten, hohen Auflösungen wie 4K oder 8K und zusätzlicher rechenintensiver Verarbeitung (zum Beispiel KI-gestützten Funktionen). In diesen Szenarien ist Überhitzung ein häufiges Nadelöhr, das Hersteller zunehmend mit aktiver Kühlung adressieren.
Andere Marken setzen bereits seit einiger Zeit auf ähnliche Konzepte. Nikon könnte mit dieser Entwicklung also nachziehen – ob und wann das in einem konkreten Modell landet, ist allerdings noch nicht absehbar.
Einordnung: Was Patente wirklich bedeuten
Patente sind in erster Linie Momentaufnahmen aus der Entwicklungsabteilung: Sie zeigen Ideen, technische Lösungen und optische Konzepte, die ein Hersteller schützen möchte. Manche davon werden später zu echten Produkten, andere bleiben Prototypen oder werden intern verworfen.
Trotzdem sind diese drei Funde ein schöner Ausblick darauf, was 2026 im Bereich Objektive und Videotechnik spannend werden könnte: mehr Auswahl im Canon-APS-C-System, potenziell extrem lichtstarke Sigma-Weitwinkel und bei Nikon ein klarer Fokus auf bessere Dauerleistung für Video.




