DJI hat mit der Avata 360 seine erste eigene 360-Grad-Drohne präsentiert. Das neue Modell verbindet eine drehbare 360-Grad-Kamera mit dem Cinewhoop-Ansatz der Avata-Reihe und richtet sich klar an Content Creator: Ziel ist es, aus einem einzigen Flug möglichst vielseitiges Material zu gewinnen – inklusive späterem Reframing und kreativen Perspektivwechseln in der Nachbearbeitung.
Konzept: 360-Grad-Kamera trifft Cinewhoop-Design
Die Avata 360 kombiniert eine kompakte, geschützte Bauform mit Propellerschutz (typisch Cinewhoop) und einer 360-Grad-Kameraeinheit. Die Idee dahinter: robust genug für dynamische Flugmanöver, gleichzeitig flexibel genug, um aus einem Take unterschiedlichste Bildausschnitte zu erzeugen – ohne die Kamera während des Flugs perfekt „treffen“ zu müssen.
Kamera und Aufnahmeformate
Im Kameramodul arbeiten zwei Fisheye-Objektive, jeweils mit einem 1/1,1-Zoll-Sensor. Zusammen ermöglicht das System 8K-Video mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde in HDR sowie Fotos mit sehr hoher Auflösung (bis 120 Megapixel). DJI positioniert die Sensoren als „1-Zoll-äquivalent“ und betont große Pixel sowie einen hohen Dynamikumfang.
Wer statt 360-Grad-Material klassisch filmen möchte, kann auch einen Einzelobjektiv-Modus nutzen und in 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Beim Start dreht sich das Kameramodul um 90 Grad, sodass in der Luft ein Objektiv nach oben und eines nach unten zeigt. Am Boden blickt ein Objektiv nach vorn – das soll die empfindliche Optik beim Landen besser schützen. Im Einzelobjektiv-Betrieb übernimmt der Kamerablock zudem die Rolle eines 1-Achsen-Gimbals.
Praktisch: Die vordere Linse ist austauschbar. Mit einem passenden Reparatur-Kit lässt sich ein beschädigtes Linsenelement selbst wechseln, ohne die Drohne einschicken zu müssen.
Speicher, Übertragung und Funktechnik
Intern sind 42 GB Speicher vorhanden, zusätzlich gibt es einen microSD-Slot. Die Übertragung der Dateien an die App erfolgt per WiFi 6 mit hoher Datenrate.
Für die Live-Videoübertragung setzt DJI auf das O4+-System. Genannt werden eine Reichweite von bis zu 20 km sowie eine Live-Übertragung in 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde (je nach Bedingungen und rechtlichen Vorgaben in der Praxis natürlich variierend).
Sicherheit, Gewicht und Flugzeit
Zur Ausstattung gehört eine omnidirektionale Hinderniserkennung, die laut DJI auch bei Nacht arbeiten soll. Die maximale Flugzeit wird mit bis zu 23 Minuten angegeben.
Mit einem Gewicht von 455 Gramm liegt die Avata 360 deutlich über der 250-Gramm-Grenze, was je nach Land und Einsatzbereich entsprechende Anforderungen an Betrieb und Regeln mit sich bringen kann.
Software: Reframing, Tracking und virtuelle Stabilisierung
In der Nachbearbeitung über DJI Fly und DJI Studio lassen sich 360-Grad-Aufnahmen neu кадrieren und mit Effekten versehen. Zu den Funktionen zählen unter anderem:
– Spotlight Free: Motiv bleibt im Fokus, die Kamerabewegung wird automatisch angepasst
– ActiveTrack 360°: automatisches Tracking mit passender Moduswahl
– Virtuelles Gimbal: freie Dreh- und Neigebewegungen ohne klassische Limitierung
– GyroFrame: Anpassung des Blickwinkels direkt in der DJI-Fly-App mit anschließendem Export
Damit zielt DJI klar auf einen Workflow, der schnelle Social-Clips genauso ermöglicht wie aufwendigeres Reframing für längere Videos.
Steuerung: Optional FPV, nicht zwingend
Die Avata 360 lässt sich wahlweise mit klassischen Fernsteuerungen fliegen oder im FPV-Setup mit Goggles und Motion Controller. Der wichtige Punkt: FPV ist eine Option, aber keine Pflicht – die Drohne soll also auch ohne Brille komfortabel nutzbar sein.
Erste Eindrücke aus einem Praxistest
Ein bereits veröffentlichter Test fällt insgesamt positiv aus. Gelobt werden Tempo und Wendigkeit, das robuste Design mit Propellerschutz sowie die flexiblen Steuerungsoptionen. Auch bei schwächerem Licht soll die Bildqualität überzeugen. Typische Stitching-Artefakte an der Nahtstelle der beiden Kamerabilder seien vor allem bei nahen Objekten sichtbar. Kritik gibt es an der DJI-Studio-Software, die im Vergleich zu etablierten Editoren noch etwas umständlicher wirken könne.
Einordnung: Reaktion auf neue 360-Drohnen-Konkurrenz
Mit der Avata 360 reagiert DJI auf eine noch junge Gerätekategorie: 360-Grad-Drohnen für Verbraucher. Ein konkurrierendes Modell eines 360-Kamera-Spezialisten war zuvor als erste Consumer-360-Drohne am Markt, setzte dabei aber andere Schwerpunkte (unter anderem beim Gewicht, der Bauform und der Steuerung). DJI kontert mit Cinewhoop-Design, größeren Sensoren und der Möglichkeit, sowohl klassisch mit Controller als auch im FPV-Modus zu fliegen.
Der Marktstart fällt zudem in eine Phase, in der es zwischen den beteiligten Herstellern auch abseits der Produkte spürbar knirscht – inklusive öffentlich diskutierter Streitpunkte rund um Schutzrechte.




