Canon hat auf der CP+ 2026 in Yokohama einen ziemlich ungewöhnlichen Kamera-Prototypen gezeigt, der bewusst mit dem vertrauten Look moderner Digitalkameras bricht. Das Konzept nennt sich „Analog Concept Camera“ und wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Boxkamera – irgendwo zwischen Retro-Charme und einer kompakten Mittelformat-Ästhetik.
Ein Digitalkonzept im Boxkamera-Stil
Optisch erinnert die Kamera an historische Boxkameras und weckt Assoziationen an legendäre Designs aus der analogen Fotowelt. Genau dieser Bruch scheint beabsichtigt: Statt möglichst flach, leicht und vollautomatisch zu sein, setzt Canon hier auf eine Form, die sich eher wie eine kleine, eigenständige „Fotomaschine“ anfühlt.
Lichtschachtsucher und Zwei-Spiegel-System
Kern der Idee ist ein Lichtschachtsucher, wie man ihn von klassischen Mittelformatkameras kennt: Man schaut von oben in den Sucher und komponiert das Bild auf eine sehr direkte, entschleunigte Art.
Technisch löst Canon das über ein System mit zwei Spiegeln. Ein Spiegel lenkt das Bild des fest verbauten Objektivs nach oben in den optischen Schachtsucher. Beim Auslösen kommt ein zweiter Spiegel ins Spiel, der das Licht auf den Sensor leitet.
Beim Sensor setzt Canon auf ein Type-1-Format, also deutlich kleiner als APS-C. Trotzdem wirkt die Kamera nicht wirklich mini – eher kompakt, aber mit spürbarem Volumen.
Absichtlich entschleunigt: Fokus, Hebel und „Klack“
Auch bei der Bedienung geht Canon konsequent in Richtung „Slow Photography“. Statt Automatikfunktionen und Assistenzsystemen steht ein reduziertes, manuelles Aufnahmegefühl im Vordergrund: mit manuellem Fokus und einem Hebel zum Auslösen anstelle eines klassischen Auslöseknopfs. Dazu gehört offenbar auch ein deutlich hörbares Spiegelgeräusch, das dieses „mechanische“ Erlebnis zusätzlich unterstreichen soll.
Auf der Rückseite gibt es zwar ein Display, das sich nach oben klappen lässt – die Grundidee bleibt aber klar: weniger Menü, weniger Automatik, mehr bewusster Prozess.
Canon beschreibt das Konzept sinngemäß als Versuch, den Moment und das Licht direkter zu erleben und die Realität so festzuhalten, wie sie sich anfühlt.
Zwei Prototypen und die Frage nach dem Interesse
Auf der Messe wurden gleich zwei Prototypen in leicht unterschiedlichen Designvarianten gezeigt. Spannend dabei: Canon soll Besucher aktiv um Feedback gebeten haben – nicht nur zu Form und Look, sondern auch dazu, ob grundsätzlich Interesse an einer solchen Kamera als Produkt bestehen würde.
Kommt die Kamera wirklich? Noch offen
Ob aus dem Prototypen jemals ein Serienmodell wird, ist völlig unklar. Vieles deutet darauf hin, dass das Projekt noch sehr früh ist. Berichten zufolge wurden für das Vorführmodell sogar Komponenten eines bestehenden Produkts zweckentfremdet, um überhaupt ein hands-on-taugliches Gehäuse zeigen zu können.
Unterm Strich bleibt eine kuriose, aber sehr interessante Konzeptstudie. Sie zeigt, dass Canon abseits des etablierten Systems durchaus Lust auf Experimente hat. Selbst wenn es nie zur Marktreife kommt: Als Gesprächsstoff und Messe-Highlight hat diese „Analog Concept Camera“ ihren Zweck definitiv erfüllt.




