Ein neuer Sensor-Prototyp mit beeindruckendem Dynamikumfang
Canon hat auf der CES 2026 einen SPAD-Sensor-Prototyp präsentiert, der vor allem durch zwei Punkte Aufmerksamkeit erregt: eine extrem hohe Lichtempfindlichkeit und einen Dynamikumfang von 20 Blendenstufen. Gezeigt wurde ein Sensor mit 1 Megapixel Auflösung und 3D-Stacking-Architektur, der laut Canon auf einen Dynamikumfang von 119,5 dB kommt – und damit klassische CMOS-Sensoren deutlich übertreffen soll.
Was bedeutet SPAD – und warum ist das so spannend?
SPAD steht für „Single Photon Avalanche Diode“. Hinter dem Begriff steckt eine Sensor-Technologie, die Licht anders erfasst als herkömmliche Bildsensoren. Statt ein analoges Signal zu messen, werden einzelne Photonen digital gezählt. Trifft ein Photon auf ein Pixel, löst das eine kleine Elektronenlawine aus, die registriert und gezählt wird.
Der große Vorteil: Dieses Prinzip reduziert das Ausleserauschen praktisch auf ein Minimum. Gleichzeitig steigt die Empfindlichkeit bei wenig Licht erheblich – ein Ansatz, der die Bilderfassung in Zukunft grundlegend verändern könnte.
Demonstration unter extremen Lichtverhältnissen
Canon hat den Prototyp in Szenarien vorgeführt, in denen sehr helle und sehr dunkle Bereiche gleichzeitig im Bild liegen. Dabei kam eine Technik namens „Weighted Photon Counting“ zum Einsatz. Vereinfacht gesagt wird gemessen, wie schnell das erste Photon ein Pixel erreicht. Aus dieser Information lässt sich abschätzen, wie viel Licht insgesamt auf das Pixel fällt.
Das soll gleich mehrere Vorteile bringen: Details in sehr hellen und sehr dunklen Bildbereichen können gleichzeitig erhalten bleiben, Überbelichtungen werden besser vermieden, und der Stromverbrauch pro Pixel kann deutlich sinken. Zusätzlich soll die Methode Flackern von LED-Lichtquellen reduzieren – ein Thema, das besonders in Anwendungen rund um Fahrzeuge relevant ist, etwa bei Ampeln oder Straßenbeleuchtung.
Noch kein Kameraprodukt angekündigt – aber klare Zielrichtungen
Einen konkreten Start in einer neuen Kamera hat Canon nicht angekündigt. Die Präsentation wirkte eher wie ein Technologie-Ausblick, der zeigen soll, in welchen Bereichen SPAD-Sensoren künftig eine Rolle spielen könnten. Genannt werden vor allem autonome Fahrzeuge, Robotik und auch die Kinematografie.
Gerade für Assistenzsysteme und autonomes Fahren ist hoher Dynamikumfang und extreme Low-Light-Leistung wichtig, weil klassische CMOS-Sensoren bei starken Kontrasten – etwa an Tunnelausfahrten oder bei sehr dunklen Szenen – schnell an Grenzen stoßen.
Einordnung: Canon arbeitet schon länger an SPAD
Bereits 2025 zeigte Canon einen größeren SPAD-Sensor im 2/3-Zoll-Format mit höherer Auflösung und nochmals erweitertem Dynamikumfang, bei dem auch eine spätere Serienfertigung im Raum stand. Außerdem gibt es von Canon schon seit einigen Jahren eine Spezialkamera mit SPAD-Sensor, die für professionelle Anwendungen entwickelt wurde und selbst bei extrem wenig Licht noch farbige, scharfe Aufnahmen liefern kann – gedacht allerdings klar für Spezial- und Industrieeinsätze, nicht für den Massenmarkt.
Wann könnte SPAD im Alltag ankommen?
Bis SPAD-Sensoren in Kameras für Endverbraucher auftauchen, dürfte es nach aktuellen Einschätzungen noch einige Jahre dauern – teils ist von fünf bis zehn Jahren die Rede. Als realistische Zwischenstufe gelten Hybridlösungen, die SPAD- und CMOS-Technik kombinieren und so schrittweise den Weg in breitere Produktkategorien ebnen könnten.




