Canon hat sich erneut zum Thema RF-Objektive von Drittherstellern geäußert und dabei in Aussicht gestellt, künftig enger mit weiteren Anbietern zusammenzuarbeiten. Das ist bemerkenswert, denn die Diskussion um Autofokus-Objektive für das RF-Bajonett außerhalb des Canon-Portfolios begleitet viele Fotografinnen und Fotografen schon seit Jahren.
Im Rahmen einer großen Fotomesse in Yokohama wurde Canon in einem Interview mit mehreren Führungskräften genau dazu befragt. Unter anderem stand dabei die Frage im Raum, ob die bisherige Zusammenarbeit mit etablierten Drittherstellern im APS-C-Bereich ausgebaut wird – und ob perspektivisch weitere Marken zum RF-Ökosystem dazustoßen könnten.
„Die Zusammenarbeit wird sich intensivieren“
Canon ordnet das Thema klar als Teil der eigenen Geschäftsstrategie ein. Gleichzeitig ließ das Unternehmen durchblicken, dass die Öffnung des Systems weiter geprüft wird. Die zentrale Aussage: Die Zusammenarbeit mit neuen Objektivherstellern soll in Zukunft intensiver werden – auch wenn es dabei Einschränkungen geben kann, die sich aus der strategischen Ausrichtung ergeben.
Wichtig ist dabei der Tonfall: Es klingt weniger nach einem vagen „Vielleicht“, sondern eher nach einem konkreten Vorhaben. Canon positioniert sich damit insgesamt offener als in manchen früheren Statements.
Zusätzlich wurde betont, dass Canon nicht in die konkrete Produktplanung der Partner eingebunden sei. Das würde bedeuten: Selbst wenn Kooperationen bestehen oder Lizenzen vergeben werden, entscheidet der jeweilige Hersteller eigenständig, welche Objektive er entwickelt und auf den Markt bringt.
Vollformat vs. APS-C: Laut Canon keine echte Trennung
Besonders spannend wurde es bei der Nachfrage, warum Dritthersteller bislang vor allem im APS-C-Segment vertreten sind, während im Vollformat-Bereich weiterhin keine Autofokus-Objektive von Drittanbietern verfügbar sind. Canon entgegnete, man unterscheide grundsätzlich nicht zwischen Vollformat und APS-C und kommuniziere Details zu diesem Thema nicht öffentlich.
Diese Aussage wirft zwangsläufig Fragen auf: Wenn es tatsächlich keine unterschiedliche Behandlung gäbe, warum sehen wir dann bis heute keine RF-Vollformat-Objektive mit Autofokus von Drittherstellern? Dass es schlicht kein Interesse gäbe, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Näher liegt, dass die Bedingungen oder Prozesse im Hintergrund eben doch komplexer sind – oder zumindest anders ausfallen, als es nach außen wirkt.
Keine Einblicke in Vertragsdetails
Auf eine direkte Nachfrage, ob Canon die Tür für weitere Hersteller im Vollformat-Segment grundsätzlich geschlossen halte, blieb das Unternehmen erwartungsgemäß zurückhaltend. Man könne zu Vertragsinhalten mit externen Partnern nichts sagen. Gleichzeitig verwies Canon darauf, dass das RF-System inzwischen stark gewachsen sei, seit Jahren am Markt ist und man Rückmeldungen sowie unterschiedliche Stimmen aus der Community wahrnimmt. Diese Faktoren sollen in die zukünftige Strategie einfließen.
Zwischen den Zeilen lässt das zumindest erkennen: Canon registriert den Wunsch nach mehr Auswahl und scheint sich mit dem Thema weiterhin aktiv zu beschäftigen.
Wie sind die Aussagen einzuordnen?
Unterm Strich passen die neuen Aussagen zu dem Eindruck der letzten Jahre: Es gibt Bewegung, Gespräche im Hintergrund und eine spürbar offenere Wortwahl. Die Formulierung, dass sich die Zusammenarbeit intensivieren wird, ist ein klares Signal, dass Canon das RF-System weiter für Partner attraktiv machen möchte.
Trotzdem bleibt eine gewisse Skepsis angebracht – vor allem beim Thema Vollformat. Dass bisher ausschließlich APS-C-Objektive von Drittherstellern erschienen sind, deutet darauf hin, dass die praktische Umsetzung (Lizenzbedingungen, Freigaben oder strategische Vorgaben) weiterhin eine entscheidende Rolle spielt. Und solange Canon Details dazu nicht öffentlich macht, bleibt offen, wie schnell sich daran etwas ändert.
Wie schätzt ihr Canons Aussagen ein: echter Kurswechsel – oder eher vorsichtige Kommunikation ohne kurzfristige Konsequenzen?




