In der Kamerabranche ist es inzwischen eher die Ausnahme als die Regel, Bildsensoren vollständig selbst zu entwickeln und zu fertigen. Viele Hersteller greifen auf Zulieferer zurück oder arbeiten zumindest in Partnerschaften. Zu den wenigen Unternehmen, die diesen Weg konsequent selbst gehen, zählen weiterhin Sony und Canon.
Der Grund liegt auf der Hand: Neue Sensoren zu entwickeln ist teuer, dauert lange und bindet enorme Ressourcen. Deshalb setzen viele Marken auf etablierte Halbleiterspezialisten. Wie anspruchsvoll solche Projekte sein können, zeigt sich auch daran, dass selbst ambitionierte Sensorkonzepte in der Praxis oft deutlich länger bis zur Serienreife benötigen als ursprünglich geplant.
Canon bleibt bei der Eigenentwicklung
Canon hält dennoch an der Strategie fest, Sensoren weiterhin im eigenen Haus zu entwickeln. Aus Sicht des Unternehmens lohnt sich die Investition langfristig, auch wenn sie kurzfristig hohe Kosten verursacht. Gleichzeitig hat Canon sich in diesem Zusammenhang auch zu zwei Themen geäußert, die in der Fotowelt besonders häufig diskutiert werden: Global Shutter und sehr hochauflösende Sensoren.
Global Shutter: Relevant, aber noch mit spürbaren Nachteilen
Canon ist sich bewusst, dass Global-Shutter-Sensoren für bestimmte Anwendungsbereiche äußerst attraktiv sind – etwa wenn es um die Vermeidung von Rolling-Shutter-Effekten bei schnellen Bewegungen oder Schwenks geht. Gleichzeitig sieht Canon die Technologie im Consumer- und Prosumer-Bereich noch nicht als rund genug an.
Als zentrale Hürden gelten dabei vor allem Einschränkungen beim Dynamikumfang sowie Nachteile bei der Leistung in schwachem Licht. Canon arbeitet nach eigener Aussage zwar intern an entsprechenden Lösungen, bewertet die aktuellen Kompromisse jedoch als zu groß, um Global Shutter schon jetzt breit in eigenen Kameras einzuführen.
Warum Canon bisher bei rund 50 Megapixeln bleibt
Auch die Frage, weshalb Canon bislang keine Kamera für den Massenmarkt mit deutlich mehr als 50 Megapixeln anbietet, taucht immer wieder auf. Interessant ist: Canon hat durchaus gezeigt, dass extrem hohe Auflösungen technisch möglich sind – entsprechende Sensorentwicklungen existieren.
Die eigentliche Herausforderung sieht Canon weniger darin, einen solchen Sensor grundsätzlich zu bauen, sondern daraus ein ausgewogenes, markttaugliches Gesamtprodukt zu machen. Sehr hohe Auflösungen erhöhen die Anforderungen an viele Bereiche gleichzeitig: Empfindlichkeit und Rauschverhalten, Serienbildgeschwindigkeit, Verarbeitung und Puffer, Datenraten und Speichersysteme – bis hin zur gesamten Signalverarbeitung.
Eine Kamera mit beispielsweise 100 Megapixeln wäre damit zwar machbar, würde aber nach Canons Einschätzung aktuell noch zu deutlichen Kompromissen führen. Deshalb wirkt das Unternehmen in diesem Punkt bewusst zurückhaltend und hält einen breiten Marktstart zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht.
Fazit: Technik ist möglich – aber Canon priorisiert das Gesamtpaket
Unterm Strich deutet Canons Linie darauf hin, dass man neue Sensortechnologien nicht aus Prinzip ablehnt, sondern sie erst dann einführen will, wenn die Gesamtbalance stimmt. Global Shutter und sehr hohe Auflösungen sind spannend – doch Canon scheint aktuell stärker darauf zu setzen, Dynamik, Low-Light-Leistung, Geschwindigkeit und Alltagstauglichkeit in einem stimmigen Paket zu verbinden.




